1 – Zuerst „Figuren“ lernen, oder zuerst „Tango Basics“ = Gehen, Achse, Gleichgewicht, Dynamik, Umarmung ? – 2

_MG_9008++Betreff: AW: Zuerst „Figuren“ lernen, oder zuerst „Tango Basics“  – Tango entre nous

Liebe E., lieber D.,

ufff …. Bitte keine Figuren im voraus können wollen! Ihr habt ja als Kinder auch euch bewegen (krabbeln, aufrichten, gehen, tanzen …) gelernt ohne zuvor eine Ahnung zu haben, zu welchen speziellen (z.B. sportlichen ect.) Bewegungsmustern das führen würde/könnte.

Angenommen, Ihr wollt  miteinander Paarlaufen auf dem Eis lernen. Dann nehmt Ihr doch keineswegs an, dass die Beherrschung von allerhand Figuren, Pirouetten und Kunststückchen die Voraussetzung dafür sei, oder? Im Gegenteil: solche Automatismen können sehr hinderlich sein! ….

Bereits der 1. Kurstag kann bei so manchen Paaren eine spürbare Veränderung bewirken,  je nach dem tänzerischen ( nicht: das technische !!) Ausgangsniveau  und Verständnis im Kurs sehr verschieden war – aber das spielt für den TangoDialog keine Rolle.

Zudem seid Ihr nicht die einzigen im Entre-Nous-Kurs, die gemerkt haben, dass es in der Tango-Sprache – wie in jeder Sprache – gute Basics braucht, um stimmig und genussreich zu kommunizieren. Wir freuen uns über diese Einsicht und bauen im Entre_Nous_Kurs diese Basics behutsam Schritt für Schritt auf – dem Kursthema entsprechend unter besonderer Berücksichtigung der Partner-Kommunikation.

Ihr vermutet nun, wir hätten zunächst auch jahrelang konventionellen Unterricht durchlitten…Meine Antwort: nicht nur, doch auch – ja leider ! Bedeutet das, dass wir zunächst genau so leidlichen, didaktisch antiquiert-überholten Unterricht anbieten müssten wie er uns zugemutet wurde?

Seit 20 Jahren bin ich nun am Tango dran; mit jahrelangen Unterbrechungen wegen dem üblichen Figuren-Führen-Frust. Dann endlich lernte ich Lehrer kennen, die sich nicht dem angeblichen Publikums-Figuren-Erwartungs-Druck beugten. Sondern überzeugend klar machten: Tango ist Gehen – erfahrene argentinische Lehrer sagen sogar: Monatelang Gehen, sonst nix!

Wir sagen: Tango ist Gehen in der Achse, mit der natürlichen Spiralisierung, der Aktivierung des Aufrichtungsreflexes, der beweglichen Wirbelsäule, den entlasteten freien Gelenken usw. Dann entsteht der natürliche Bewegungsfluss, aus diesem ergeben sich spielerisch die weiteren Elemente, Figuren, Sequenzen ect. – Argentinische Tango-Trainer von Format bestätigen diesen Ansatz, wann immer wir  sie fragen: aus was kommt es beim Tango an?

In 40 Jahren Tanzerfahrung habe ich so ziemlich alles kennengelernt was es zu erfahren gibt über Tanzdidaktik, Tanztheorie, Bewegenganalyse, Tanz-Physiotherapie und Tanztherapie. Ich habe Patienten mit neurologischen Störungen, die keine Vorstellung von und Erinnerung an gesundes, koordiniertes Gehen mehr hatten, wieder zu unauffälligem Gehen und Tanzen angeleitet.  Und ich selbst habe nach zwei eigenen Hüft-Implantat-Operationen ganz neu zu gehen, mich zu bewegen und Tango zu Tanzen gelernt, und zwar mit eben der Methode, die wir Euch vermitteln.

Seit 5 Jahren tanzen Karin und ich miteinander. Wir haben zusammengefunden, indem wir das Figuren-Auswendig-Lernen aufgegeben haben ( weil wir`s uns eh nicht merken konnten, und bereits 1, 2 Tage nach den Kursen alles wieder vergessen und verflogen war). Statt dessen haben wir die verschiedenen didaktischen und methodischen Ansätze erprobt, spielerisch mit qualitätvollem Tango-Gehen in allen Variationen experimentiert und aus dem Bewegungsfluss heraus spontan so manche bekannten und neuen „Figuren“ gefunden.Wie ndas geht, zeigen wir Euch gerne !

Karin ist Sprachen-Lehrerin; sie unterrichtet erfolgreich Sprachen, vor allem auch bei lernschwachen Kindern – aber nicht etwa durch Auswendig-Lernen und stupides Aufsagen-Lassen, wie das vielleicht noch vor 50 oder 80 Jahren üblich war. Tango ist für uns eine besonders sinnlich-melodisch-rhythmische Sprache, und wir unterrichten auch diese Sprache nicht,  indem wir isolierte „Figuren“ stereotyp 100 mal abspulen lassen, in der Annahme, dass irgendwann wohl schon etwas hängenbleiben wird …. sondern in lebendigem Erkunden und Experimentieren (in der Fachsprache „strategisches Erschließungslernen“ genannt  :-)) der innern Bewegungslogik und -dynamik heraus, aus der sich im Verlauf des Tanzens reizvolle schlichte, aber auch komplexe Bewegungsabläufen ergeben, die man gemeinhin „Figuren“ nennt.

Auf  diese Weise haben wir  die subtile Poesie und die leidenschaftliche Tiefe und wilde Schönheit des TangoTanzens für uns entdeckt. Und wir haben erlebt – und tun dies immer noch, mal für mal – wie im getanzten Dialog sich aus der Logik und Dynamik des rhythmisch-melodischen Bewegungflusses  ganz natürlich und zwanglos neue und altbekannte Elemente, Figuren, Sequenzen ergeben und wie sich darüber Verständigung und Einverständnis, sinnliches Entzücken, strahlende Freude und innige Nähe und leidenschaftliche Hingabe ans Tanzen entfalten.

Daraus hat sich unsere Methodik entwickelt, die auf dem frustfreiesten, direktesten Weg zum qualitätvollen Bewegungsfluß, zum Tango-Genuss mit Figuren als kleinen Überraschungen, zum kreativen Gestalten im Bewegungs-Dialog führt – auf jedem tänzerischen Niveau und ohne fixierte überholte Rollenbilder !

Daher unser Rat und unsere Bitte: wechselt nicht in den „FigurenKurs“ –  bleibt im Entre-Nous-Kurs und habt ein wenig Vertrauen in die Weisheit Eurer tief verwurzelten Bewegungsinstinkte – sie werden Euch direkt und erfolgreich zum Tango-Genuss führen, denn dafür sind sie gemacht und bestens geeignet.

Dafür stehen wir gerade – nehmt uns beim Wort !

Übrigens – ein Klick, und Ihr wisst bald mehr über unsere Methodik und „Philosophie“, über unser Profil und unseren Hintergrund: http://dr-jungkind.de/moving-decisions/

Wir freuen uns darauf, Euch bald wiederzusehen und weiter gemeinsam die Geheimnisse des Tango Entre Nous zu erkunden – und zu genießen!

Kuno & Karin